Arminia Bielefeld im Stenogramm

„100 Jahre Leidenschaft“ – treffender als im Titel der Vereinschronik hätten die Autoren die Geschichte des DSC Arminia Bielefeld nicht zusammenfassen können. Anhänger dieses Vereins müssen leidensfähige Menschen sein. Etliche Schicksalsschläge säumten meist in der Gestalt von Abstiegen den Weg des Clubs, dem es aber immer gelang, auch wieder aufzustehen – ganz gleich, wie gewaltig oder selbstverschuldet die Rückschläge auch waren. In jedem Ende wohnt ein neuer Anfang; in Bielefeld wissen sie das nur zu genau.

Vor allem seit dem 3. Mai 1905, als im Restaurant Modersohn von 14 Unentwegten die Gründung des „1. Bielefelder Fußballclub Arminia“ beschlossen wurde. Damit begann ein nahezu beispielloses Auf und Ab, das zunächst schöne Zeiten bescherte.

Die Spielzeiten 1921/22 und 1922/23 schloss der Verein, der damals als FC Arminia Bielefelder firmierte, jeweils als Westdeutscher Meister ab und stellte mit Walter Claus-Oehler sogar den ersten Fußball-Nationalspieler, der aus Westfalen kam.

Die Westfalen-Meisterschaft wurde zwischen 1921 und 1927 in jedem Jahr gewonnen und 1933 noch ein weiteres Mal. Ab 1926 ging der Club derweil ganz offiziell als DSC Arminia Bielefeld an den Start.

In den 1950er Jahren verlor die Arminia ihre lokale Vormachtstellung zwischenzeitlich an den Rivalen VfB Bielefeld.

Als 1963 die Bundesliga gegründet wurde, spielte die Arminia meilenweit entfernt in der 2. Liga West. Ein siebter Platz genügte zumindest, um die Startberechtigung für die neue Regionalliga West zu erhalten.

1970 gelang schließlich der Durchbruch. Als Tabellenzweiter ging der Verein in die Aufstiegsrunde zur Bundesliga und setzte sich am Ende durch. Bielefeld war erstklassig und die durch die mageren Regionalliga-Jahre leidensfähig gewordenen Anhänger fühlten sich plötzlich wie im 7. Himmel.

Nachdem im Rahmen des Bundesliga-Skandals gegen Bielefeld und viele andere Clubs ermittelt wurde, bekam die Arminia im Laufe der Saison 1971/72 die Lizenz entzogen. Alle Spiele von Bielefeld wurden für den Gegner gewertet, das Team stieg sportlich sang- und klanglos und hart bestraft ab.

1978 gelang aber das Bundesliga-Comeback, das diesmal nach nur einer Saison beendet wurde. Jetzt hatten sie am Teutoburger Wald aber Blut geleckt und versuchten es 1980 nach dem dritten Aufstieg noch mal.

Bis zur Saison 1984/85 blieb Bielefeld erstklassig, in den Jahren 1982/83 und 1983/84 wurde sogar jeweils ein achter Platz zum Abschluss erreicht.

Als Zweitliga-Schlusslicht ging es 1988 in die Amateuroberliga Westfalen.

1995 gelang erst der Wiederaufstieg in die 2. Liga, zwölf Monate später trafen sich die Jungs von Trainer Ernst Middendorps wieder zur Aufstiegsparty: Diesmal wurde das Bundesliga-Comeback bejubelt.

Der DSC Arminia blieb aber ein Fahrstuhlverein. Den Aufstiegen 1999, 2002 und 2004 gingen jeweils frustrierende Abstiege voraus.

2005 und 2006 ging es im DFB-Pokal jeweils bis ins Halbfinale.

Titel? Fehlanzeige. Aber Rekordaufsteiger ist ja auch eine exklusive Auszeichnung, die eine in Bielefeld allgemeine Erkenntnis unterstützt: Leiden schaffen Leidenschaft.