Rolf Schafstall
Was macht.... Rolf Schafstall
Sechs Bälle von Merkel
Früher galt er als Experte für die „unlösbaren Aufgaben“ und feierte mit eiserner Disziplin Erfolge im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga, als Rentner schuftet Rolf Schafstall immer noch im Fitnessstudio. „Ich arbeite regelmäßig mit den Hanteln und fühle mich topfit, sagte der ehemalige Trainer, der neulich in Krefeld seinen 70. Geburtstag feierte. Das passt zu seinem Credo. „Wenn du aus wenig ganz viel rausholen willst, geht das nur mit harter Arbeit. Das Nichtabsteigen hatte ich von der Pike auf gelernt“, sagt der Jubilar.
Bereits als aktiver Spieler schonte der am 22. Februar 1937 in Duisburg-Hamborn geborene Schafstall weder sich noch seine Kontrahenten und hatte 1963 unfreiwillig Anteil am Bundesliga-Aufstieg des MSV Duisburg. Im Dress von Hamborn 07 foulte er im entscheidenden Oberliga-Match den späteren Nationalspieler Werner Krämer. „Den folgenden Freistoß haben die Meidericher zum Siegtreffer in letzter Minute genutzt und waren für die Bundesliga qualifiziert“, erinnert sich Schafstall, der allerdings beteuert: „Das war kein Foul, Krämer fiel über meine Beine.“
Rolf Schafstall „schuftet“ im Fitness-Studio
Mit dem SSV Reutlingen scheiterte der Innenverteidiger 1965 in der Aufstiegsrunde an Bayern München und Borussia Mönchengladbach. „Gladbach Trainer Hennes Weisweiler wollte mich als linken Verteidiger zur Borussia holen. Dann hätte ich ein Terrier-Gespann mit Berti Vogts gebildet“, sagt Schafstall, der aus Liebe zu seiner in Süddeutschland geborenen Frau Hildegard ablehnte. Elf Jahre später feierte er aber sein Trainer-Debüt auf der Bank des MSV Duisburg, den er sogleich vor dem Abstieg bewahrte.
Das Image des „Feuerwehrmanns“ konnte Schafstall nicht mehr ablegen. Den MSV führte der Coach 1979 zwar nahezu sensationell ins Halbfinale des UEFA-Cups, doch seine folgenden Stationen befanden sich meist im Tabellenkeller. „Das zog sich wie ein roter Faden durch meine Laufbahn“, sagt Schafstall, der in der Bundesliga auch den VfL Bochum, Schalke 04, Bayer Uerdingen und Fortuna Düsseldorf betreute: „Ich habe direkt gelernt, wie man motiviert und Reserven herauskitzelt. Diese Arbeit habe ich geliebt.“
Image des „Feuerwehrmanns“
Besonders intensiv seien fünf Jahre „höchsten Kampfes“ beim VfL Bochum (1981 bis 1986) gewesen. „Jeden Sommer wurden die besten Spieler verkauft, Bild-Zeitungs-Kolumnist Max Merkel ließ mich in seiner Saison-Prognose regelmäßig absteigen“, erinnert sich Schafstall, der aber immer die Rettung schaffte und einen Prestige-Erfolg errang. „Als wir 1985 wieder drin blieben, gab mir Merkel in seiner Bewertung sechs Bälle für den Trainerjob. Das war die höchste Auszeichnung“, sagt er lachend.
Schafstall bezeichnet sich als Kind des Ruhrgebiets und legte stets Wert auf akribische Disziplin. „Meine Mannschaften konnten auch Fußball spielen, aber die Tradition im Ruhrgebiet ist es nun mal, Ärmel hochkrempeln und malochen“, meint der Coach, der 2001 allerdings überfordert war, als er auf seiner letzten Station kurz vor Saisonende zurück nach Bochum kam, die Rettung aber nicht mehr einleiten konnte.
Stippvisite bei Dynamo Dresden
Eine zwischenzeitliche Stippvisite bei Dynamo Dresden endete 1999 ebenfalls unerfreulich. „In der Kabine steht keiner auf, keiner hört zu. Die sind nicht zur Arbeit erzogen wurden, kein Anstand, lauter Ossis“, hatte er vor seiner Entlassung geschimpft. „Das war etwas übertrieben und ein Fehler. Aber ich war im Osten ein Einzelkämpfer und habe den Gegenwind nach dieser Aussage ausgehalten“, sagt Schafstall, der sich ansonsten nicht scheute, Spieler zu suspendieren und Notlügen zu gebrauchen. „Das gehörte zu meinen Tricks, die ich alle zum Wohl meine Vereine anwendete, meint der Ex-Coach, der seine Dauerkarte vom VfL Bochum regelmäßig nutzt und sogar an seinem 70. Geburtstag auf die Disziplin achtete: „Um 20 Uhr war Schluss, am nächsten Tag wollte ich schließlich wieder fit sein.“





