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17.12.09

MSV-Legende Michael Tönnies feiert 50. Geburtstag

Großartige Torjäger hatte der MSV Duisburg schon einige in seinen Reihen. Noch heute schnalzen die Fans mit der Zunge, wenn sie die Namen Ronald Worm, Rudi Seliger, Helmut Rahn oder Bachirou Salou hören. Einer, der nahtlos in diese Aufzählung passt, ist Michael Tönnies. Am 19. Dezember 2009 feierte „Tönni“, der in Essen lebt, seinen 50. Geburtstag.

Vielleicht trudelt sogar ein Glückwunsch-Telegramm von Ex-Nationalkeeper Oliver Kahn bei Tönnies ein. Kahn stand zumindest Pate, als „Tönni“ seinen wohl größten Tag erlebte und den MSV-Fans einen unvergesslichen Abend bescherte. Am 27. August 1991 tauchte Michael Tönnies immer wieder vor Kahn auf und traf. Erst in der 11., dann erneut in der 12. und 16. Minute.

Dass es ein historisches Ereignis war, hatte damals im Stadion kaum jemand geahnt. Längst waren die Statistiker so schnell bei der Hand wie heutzutage, wenn per Mausklick alles in Windeseile abgefragt werden kann. „Wann hat es zuletzt so einen schnellen Hattrick gegeben? Wir haben nachgefragt beim Sport-Informationsdienst. Die suchen immer noch“, kommentierte am Abend Ulli Potofski von der RTL-Sendung „Anpfiff“ den Spielbericht.

Gut 300 Sekunden benötigte „Tönni“, um Bundesliga-Geschichte zu schreiben. Damals erzielte der MSV-Stürmer im Match gegen den Karlsruher SC den bis heute schnellsten Hattrick aller Zeiten. Mit 6:2 gewannen die „Zebras“, Tönnies erzielte an jenem Dienstagabend noch zwei weitere Tore. „Es war ein einmaliger Tag, jeder Schuss ein Treffer. Ich hatte das Glück, das ein Torjäger braucht“, könnte es Tönnies anschließend selbst nicht fassen.

Ihn hatte ohnehin keiner auf der Rechnung. Das war allerdings nicht ungewöhnlich, galten die Meidericher schon vor der Saison mal wieder als Absteiger Nummer eins. Neun Jahre hatten sie zuvor in unteren Ligen gespielt und waren gerade mit einer „Rentnerband“ aufgestiegen. Mittendrin der 32 Jahre alte Tönnies, der stets etwas beleibt daher kam, im Strafraum aber wie eine Wuchtbrumme aufdrehte.

Ganz Marke Gerd Müller fühlte sich „Tönni“ in diesem Metier pudelwohl. „Der Dicke hat sie immer reingemacht, auch auf engstem Raum“, erinnert sich Mitspieler Ferry Schmidt. Erst wurde die Amateur-Meisterschaft errungen und dann ging es in die Zweite Liga, in der Tönnies so richtig aufdrehte. Insgesamt sechs Jahre war der gebürtige Essener für die „Zebras“ aktiv und gehörte regelmäßig zu den Top-Torschützen.

Vor allem seine Treffer waren es, die den MSV wieder zurück in den großen Fußball brachten. In der Aufstiegssaison 1990/91 erzielte er 29 Tore. So viele, dass es sogar der auf Disziplin achtende Trainer Willibert Kremer übersah, wenn Tönnies ein wenig Bier trank und gelegentlich eine Zigarette rauchte. Die Leistung stimmte trotzdem. „Pommes und Bier, das war meine Welt, auch wenn die Fitness drunter litt“, erzählte Tönnies mal.

Am Abend des 27. August 1991 durfte er sich nach dem Abpfiff eine extragroße Portion Pommes-Schranke gönnen. Tönnies zündete seinen Tornado und schuf dem Fußball-Wahnsinn im Wedau-Stadion. In der 11. Minute bediente Toni Puszamszies den von der KSC-Abwehr sträflich allein gelassenen Torjäger, wenige Sekunden später war Tönnies mit einem Fallrückzieher nach Vorlage von Wladimir Ljuty erfolgreich. Den schnellsten Bundesliga-Hattrick aller Zeiten machte „Tönni“ aus kurzer Distanz nach Vorarbeit von Dirk Bremser perfekt. Längst hatten sich die Zebras in einen Rausch gespielt und waren noch nicht satt. Tönnies erzielte noch zwei weitere Tore und bereitete auch den Treffer von Ewald Lienen vor.

Im Sommer 1992 wechselte Tönnies zum Zweitligisten Wuppertaler SV, für den er noch bis 1994 spielte. Seiner Heimat, dem Ruhrpott, blieb er anschließend treu – und ein bisschen auch dem MSV. Aktiv spielen kann er zwar nicht mehr, aber erst neulich war er Gast, als eine Meidericher Traditionself mit Bernard Dietz und Martina Voss an der Spitze für einen guten Zweck spielte.

Text: Roland Leroi

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